29.8.16

In eigener Sache

ZWICKAUTOPIA, das Online-Magazin für Freunde und Entdeckers Zwickaus, hat die technische Plattform gewechselt. Das Blog ist vom Google-Dienst Blogger auf die zeitgemäße Blog-Anwendung WordPress umgestiegen, welche vielfältige Designs und Funktionen ermöglicht. Die Inhalte ziehen schrittweise auf die neue Plattform um. Sie erreichen ZWICKAUTOPIA wie gehabt unter der Adresse www.zwickautopia.de.

Die neue Startseite von zwickautopia.de.

19.8.16

"Arsch der Welt" trifft auf "Tor zur Welt": So viel Zwickau steckt in Hamburg

Das Atlantic-Haus (Bildmitte) ragt aus der Skyline von Hamburg-St. Pauli heraus. Sein Stahlfachwerk wurde von einer Zwickauer Firma gefertigt. Bildrechte: zwickautopia.de

Erstmals seit der Saison 1998/99 hat sich der FSV Zwickau für den DFB-Pokal qualifiziert. In der ersten Runde (19. bis 22. August) empfängt der Drittliga-Aufsteiger gleich einen Erstligisten - das Bundesliga-Gründungsmitglied Hamburger SV. ZWICKAUTOPIA hat diesen Fußball-Knüller zum Anlass angenommen, mit dem Eurocity "Robert Schumann" nach Hamburg zu fahren und sich in der zweitgrößten Stadt Deutschlands zwischen Altona und Alster auf Zwickauer Spuren zu begeben.

12.8.16

Als Shopping noch „zum Schocken“ hieß: Was wurde aus den Filialen des Zwickauer Kaufhaus-Konzerns in Nürnberg, Stuttgart, Chemnitz und am Firmensitz?

Die ehemaligen Schocken-Kaufhäuser in Chemnitz (links oben), Zwickau (oben, ganz rechts), Stuttgart (links unten) und Nürnberg (rechts unten). Bildrechte: zwickautopia.de

1907 gründeten Salman (1877-1959) und Simon Schocken (1874-1929) im Gebäude Hauptmarkt 26 ("Goldener Anker") die Firma "I. Schocken Söhne Zwickau" (I.S.S.). Das I im Namen war eine Geste, mit der die Brüder ihren Vater Immanuel ehrten. Das jüdische Unternehmen galt vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit rund 6.000 Mitarbeitern als größte Warenhauskette Sachsens und eine der fünf größten in Deutschland. Schocken setzte im Handel neue Maßstäbe und schuf das, was man heute "Corporate Identity" nennt: Die Marke - erkennbar am kantigen S - stand für Kundenservice, Qualitätskontrolle, erschwingliche und stabile Preise, gut ausgebildete Verkäufer, professionelle Werbung und strenge Zentralisierung.

Die Zwickauer Zentrale organisierte Einkauf, Verkauf, Reklame und Personalleitung. Ein eigenes Baubüro plante Neubauten. "Zum Schocken" ging man in sächsischen Städten, Nürnberg, Stuttgart, Augsburg, Regensburg, Pforzheim, Bremerhaven, Cottbus, Zerbst und Waldenburg in Schlesien. Die Nazis boykottierten die Filialen und diffamierten sie als "Ramschbuden". Die Schocken AG wurde arisiert und in Merkur AG umbenannt. 1953 verkaufte Salman Schocken den zurückerlangten Besitz an "Merkur, Horten & Co." mit Sitz in Nürnberg. In Sachsen wurden die Merkur-Filialen enteignet und dem Verband Sächsischer Konsumgenossenschaften angeschlossen. 2014 entschied das Berliner Verwaltungsgericht, dass die Bundesrepublik Deutschland die Erben mit etwa 50 Millionen Euro inklusive Zinsen entschädigen muss. Schon in den 1990er Jahren waren etwa 30 Millionen DM an Entschädigung bei der Privatisierung des Kaufhauses in Chemnitz gezahlt worden.

In der Bevölkerung von Nürnberg, Stuttgart, Chemnitz und Zwickau lebt der Name Schocken bis heute fort. ZWICKAUTOPIA hat sich vor Ort umgeschaut, was aus den Kaufhäusern geworden ist.

6.8.16

Eine Festung für den FSV: Zwickaus langer Weg zum neuen Stadion in Eckersbach

Sonnenuntergang auf der Stadionbaustelle in Zwickau-Eckersbach. Bildrechte: zwickautopia.de

Am 22. August beginnt im Zwickauer Fußball eine neue Ära. Dann tritt der FSV Zwickau zum ersten Heimspiel im neuen "Stadion Zwickau" an der Stadionallee 1 an. Attraktiver Gegner in der ersten Runde des DFB-Pokals ist das Bundesliga-Gründungsmitglied Hamburger SV. Das Schmuckkästchen im Stadtteil Eckersbach fasst 10.000 Zuschauer. Alle 6.500 Sitz- und 3.500 Stehplätze sind überdacht. Dank offener Ecken lässt sich die reine Fußballarena, für die noch ein Namenssponsor gesucht wird, auf zweitligataugliche 15.000 Plätze erweitern. Ohne das neue Stadion hätte Zwickau, frischgebackener Aufsteiger in die dritte Bundesliga, in seiner ersten Profi-Saison seit 1998 in eine andere Stadt ausweichen müssen.

5.8.16

Ein königliches Radvergnügen: Unterwegs auf der neuen Karlsroute nach Karlsbad

Bildrechte: zwickautopia.de

Das tschechische Karlsbad (Karlovy Vary) gehört zu den weltweit traditionsreichsten und bekanntesten Kurorten. Schon Zwickaus berühmtester Sohn Robert Schumann hielt sich hier auf. 1818 besuchte er seine kurende Mutter. 1842 verbrachten der Komponist und seine Frau Clara als Sommerfrischler einige Tage in der heute 50.000 Einwohner zählenden Stadt. Seit 2015 verknüpft ein neuer grenzüberschreitender Radweg Sachsen und Böhmen. Die Karlsroute (tschechisch: Karlova stezka) verbindet über den Erzgebirgskamm hinweg die Städte Aue und Karlsbad auf 60 Kilometern Länge. Inklusive Nebenrouten ist das Karlsrouten-Netz 160 Kilometer lang. Eine Radtour auf der Karlsroute lässt sich hervorragend mit der Bahnverbindung Zwickau - Aue - Schwarzenberg - Johanngeorgenstadt - Karlsbad verbinden. ZWICKAUTOPIA ist in die Pedale getreten und hat die neue Strecke erkundet. Zahlreiche Eindrücke enthält die Bildergalerie.

3.8.16

Auf großer Fahrt von Rostock bis Rio: Die DDR-Schiffsflotte namens "Zwickau"

Der Binnenfrachter "MS Zwickau". Bildrechte: C. Rothe; Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Portals www.ddr-binnenschifffahrt.de von Uwe Giesler

Im tschechischen Mělník, 30 Kilometer nördlich von Prag, liegt in einem Seitenarm der Elbe das Wrack des Binnenfrachters "MS Zwickau". Bug und Heck des untergegangenen Schiffes ragen aus dem Fluss heraus. Deutlich zu erkennen ist der Schriftzug "Berenica", wie die Titanic von Mělník zuletzt hieß. Fast vier Jahrzehnte lang war der 67 Meter lange und acht Meter breite Frachter als Botschafter der Automobil- und Robert-Schumann-Stadt unterwegs. Dieses und weitere Schiffe namens "Zwickau" haben zu DDR-Zeiten Kurs auf Binnen- oder Überseeziele genommen.

1.8.16

Nur noch kurz die Welt retten und 148 Mails checken - nun auch mit City-WLAN!

Blick vom Turm des Doms St. Marien auf den Zwickauer Hauptmarkt. Bildrechte: zwickautopia.de

Selfies mit Robert Schumann verschicken, Bilder vom zauberhaften Zwickau bei Facebook hochladen, WhatsApp-Nachrichten bei einer Tasse Milchkaffee schreiben oder wie Tim Bendzko nur noch kurz die Welt retten und 148 Mails checken: Dank kostenlosem WLAN ist das nun jederzeit auch auf dem Zwickauer Hauptmarkt möglich. Die Stadt hat dafür drei Signalsender installiert: am Robert-Schumann-Haus (CITYSPOT_Hauptmarkt-West), am Rathaus (CITYSPOT_Hauptmarkt) und am Gebäude Katharinenstraße 11 (CITYSPOT_Hauptmarkt-Ost).

Das Gratis-Internet gilt bis zu vier Stunden pro Tag und Endgerät. Die Nutzung der Seite www.zwickau.de funktioniert nach Angaben der Pressestelle auch ohne Anmeldung. Der WLAN-Anbieter flexfast GmbH aus Glauchau (Kreis Zwickau) bietet der Stadt Zwickau diese Hotspots zur Miete an und betreibt sie. Damit tritt flexfast gegenüber den Nutzern als Vertragspartner auf. Die Handhabung ist einfach:

1. Verbindung mit WLAN herstellen
2. CITYSPOT auswählen
3. Nutzungsvereinbarung bestätigen und einloggen

Der Anmeldevorgang für das kostenfreie Internet auf dem Zwickauer Hauptmarkt. Screenshots: zwickautopia.de

Die Stadt will mit diesem Service einen Beitrag zur Belebung des Zentrums leisten. Weitere Zugangspunkte "an touristisch relevanten Örtlichkeiten" könnten laut Mitteilung der Rathausverantwortlichen folgen. Die Reaktionen auf der städtischen Facebook-Seite fallen gemischt aus. Stellvertretend für die Befürworter steht dieser Kommentar: "Ich finde, freies WLAN ist ein wichtiger Schritt zur Belebung der Innenstadt. Ich denke dabei an die Touristen, die sich via Smartphone informieren. In vielen Ländern ist dies bereits Standard. Jetzt fangen wir endlich auch damit an." Die meisten Kritiker und Berufsnörgler verbinden auch das Thema WLAN unweigerlich mit der Asyldebatte und befürchten nun "Horden von Ausländern mit Handy" auf dem Hauptmarkt.

28.7.16

Der Weg war das Ziel: Die Zwickauer Wege von Havel bis Neckar im Porträt

Der Zwickauer Weg in Mannheim. Bildrechte: zwickautopia.de

Regelmäßige Leser von ZWICKAUTOPIA wissen: Landauf, landab hat die Stadt Zwickau in Asphalt gegossene Botschafter. Zwickauer Straßen findet man in Metropolen und Kleinstädten, einen Zwickauer Damm mit U-Bahn-Station in Berlin und in Dresden sogar einen kleinen Zwickauer Platz. Darüber hinaus gibt es insbesondere in Baden-Württemberg sowie in Brandenburg und Thüringen Zwickauer Wege. ZWICKAUTOPIA hat auch einige von ihnen aufgesucht.

Magdeburgs Traineridol Heinz Krügel stammt aus dem "sächsischen Schalke"

Heinz-Krügel-Skulptur vor dem Magdeburger Fußballstadion. Bildrechte: zwickautopia.de

Der 1. FC Magdeburg hat sich 2015 in der Regionalliga einen spannenden Zweikampf mit dem FSV Zwickau geliefert - mit dem besseren Ende für die Elbestädter. Ein Jahr später sind die Westsachsen dem 1. FCM nun in die Dritte Bundesliga gefolgt. Beide Mannschaften bestreiten am 1. September das allererste Ligaspiel im neuen Zwickauer Fußballstadion, welches im Stadtteil Eckersbach entstanden ist und knapp 10.000 Zuschauer fasst - erweiterbar auf zweitligafähige 15.000 Plätze. Während Aufsteiger Zwickau in seiner ersten Profi-Saison seit dem Zweitliga-Abstieg 1998 zunächst den Klassenerhalt anstrebt, schielt Magdeburg bereits Richtung zweite Liga. Nach dem sensationellen vierten Platz in seiner ersten Profi-Saison seit der Wiedervereinigung will der Verein aus der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts an den Glanz alter Zeiten anknüpfen. In der DDR gehörten die Blau-Weißen zu den erfolgreichsten Fußballmannschaften, was sie maßgeblich Heinz Krügel (1921-2008) zu verdanken haben. Der Meistertrainer wurde im Zwickauer Stadtteil Oberplanitz geboren.

20.7.16

Gedenkstätten für NSU-Opfer: Die Spur des Schreckens quer durch Deutschland

Gedenkplakat für das NSU-Opfer Mehmet Turgut in der Rostocker Innenstadt. Bildrechte: zwickautopia.de

Ermittlungspannen, vernichtete Akten, eine dubiose Rolle des Verfassungsschutzes und ein für die Angehörigen quälend langer Prozess: Die Mordserie der rechtsextremen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zählt zu den größten Justizskandalen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Zehn Menschen starben zwischen 2000 und 2007: türkischstämmige Unternehmer, ein Händler mit griechischen Wurzeln und eine Polizistin. Dazu brachten in Köln zwei Bombenattentate Leid über zahlreiche Familien.

Nach der Explosion des Wohnhauses in der Zwickauer Frühlingsstraße 26, wo die aus Jena stammenden Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe zuletzt lebten, kam Licht ins Dunkel der Ermittlungen, die sich jahrelang auf die Drogenszene und die Familien der Opfer konzentriert hatten. Das "Fanal von Zwickau" (Der Spiegel) erschütterte zunächst die Stadt. Schnell hielt das gewaltige Ausmaß der Erkenntnisse rund um die so genannte "Zwickauer Zelle" das ganze Land in Atem. Am 4. November 2011 jährt sich die Explosion im Stadtteil Weißenborn, welche die NSU-Lawine ins Rollen brachte, zum fünften Mal.

Im April 2012 verständigten sich die Städte, wo die NSU-Morde geschahen, auf eine gemeinsame Erklärung:

Neonazistische Verbrecher haben zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen in sieben deutschen Städten ermordet: Neun Mitbürger, die mit ihren Familien in Deutschland eine neue Heimat fanden, und eine Polizistin. Wir sind bestürzt und beschämt, dass diese terroristischen Gewalttaten über Jahre nicht als das erkannt wurden, was sie waren: Morde aus Menschenverachtung. Wir sagen: Nie wieder! Wir trauern um

Enver Şimşek, 11. September 2000, Nürnberg
Abdurrahim Özüdoğru, 13. Juni 2001, Nürnberg
Süleyman Taşköprü, 27. Juni 2001, Hamburg
Habil Kılıç, 29. August 2001, München
Mehmet Turgut, 25. Februar 2004, Rostock
İsmail Yaşar, 9. Juni 2005, Nürnberg
Theodoros Boulgarides, 15. Juni 2005, München
Mehmet Kubaşık, 4. April 2006, Dortmund
Halit Yozgat, 6. April 2006, Kassel
Michèle Kiesewetter, 25. April 2007, Heilbronn

Dieser Text findet sich in gleicher oder abgewandelter Form auf Mahnmalen wider, die zu Ehren der NSU-Opfer errichtet worden sind. ZWICKAUTOPIA stellt diese Gedenkorte vor - eine Reise von Nord nach Süd.