20.7.16

Gedenkstätten für NSU-Opfer: Die Spur des Schreckens quer durch Deutschland

Gedenkplakat für das NSU-Opfer Mehmet Turgut in der Rostocker Innenstadt. Bildrechte: zwickautopia.de

Ermittlungspannen, vernichtete Akten, eine dubiose Rolle des Verfassungsschutzes und ein für die Angehörigen quälend langer Prozess: Die Mordserie der rechtsextremen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zählt zu den größten Justizskandalen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Zehn Menschen starben zwischen 2000 und 2007: türkischstämmige Unternehmer, ein Händler mit griechischen Wurzeln und eine Polizistin. Dazu brachten in Köln zwei Bombenattentate Leid über zahlreiche Familien.

Nach der Explosion des Wohnhauses in der Zwickauer Frühlingsstraße 26, wo die aus Jena stammenden Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe zuletzt lebten, kam Licht ins Dunkel der Ermittlungen, die sich jahrelang auf die Drogenszene und die Familien der Opfer konzentriert hatten. Das "Fanal von Zwickau" (Der Spiegel) erschütterte zunächst die Stadt. Schnell hielt das gewaltige Ausmaß der Erkenntnisse rund um die so genannte "Zwickauer Zelle" das ganze Land in Atem. Am 4. November 2011 jährt sich die Explosion im Stadtteil Weißenborn, welche die NSU-Lawine ins Rollen brachte, zum fünften Mal.

Im April 2012 verständigten sich die Städte, wo die NSU-Morde geschahen, auf eine gemeinsame Erklärung: 

Neonazistische Verbrecher haben zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen in sieben deutschen Städten ermordet: Neun Mitbürger, die mit ihren Familien in Deutschland eine neue Heimat fanden, und eine Polizistin. Wir sind bestürzt und beschämt, dass diese terroristischen Gewalttaten über Jahre nicht als das erkannt wurden, was sie waren: Morde aus Menschenverachtung. Wir sagen: Nie wieder! Wir trauern um

Enver Şimşek, 11. September 2000, Nürnberg
Abdurrahim Özüdoğru, 13. Juni 2001, Nürnberg
Süleyman Taşköprü, 27. Juni 2001, Hamburg
Habil Kılıç, 29. August 2001, München
Mehmet Turgut, 25. Februar 2004, Rostock
İsmail Yaşar, 9. Juni 2005, Nürnberg
Theodoros Boulgarides, 15. Juni 2005, München
Mehmet Kubaşık, 4. April 2006, Dortmund
Halit Yozgat, 6. April 2006, Kassel
Michèle Kiesewetter, 25. April 2007, Heilbronn

Dieser Text findet sich in gleicher oder abgewandelter Form auf Mahnmalen wider, die zu Ehren der NSU-Opfer errichtet worden sind. ZWICKAUTOPIA stellt diese Gedenkorte vor - eine Reise von Nord nach Süd.

Schumanns Dresdner Jahre: Auf Spurensuche zwischen Frauenkirche und Kreischa

Robert-Schumann-Büste im Zwingergarten hinter der Dresdner Semperoper. Bildrechte: zwickautopia.de

1986, ein Jahr nach der Eröffnung der wieder aufgebauten Dresdner Semperoper, wurde hinter dem berühmten Opernhaus eine Robert-Schumann-Büste aufgestellt. Sie steht am Zwingerteich und wurde von der Dresdner Bildhauerin Charlotte Sommer-Landgraf gefertigt. Robert Schumanns Wirken in "Elbflorenz" - das ist eine eher unbekannte Facette der sächsischen Landeshauptstadt. Hier wohnte der gebürtige Zwickauer von 1845 bis 1850 und diese Zeit wurde zu einer der produktivsten im kurzen Leben (1810-1856) des Komponisten. Rund ein Drittel seines Gesamtwerks entstand hier: die 2. Sinfonie C-Dur, die Oper "Genoveva", die "Szenen aus Goethes Faust", Kammermusikwerke und Chorlieder sowie Hunderte von Liedern und Klavierstücken, darunter das "Album für die Jugend".

ZWICKAUTOPIA hat sich in Dresden und rund um Kreischa auf die Spuren von Robert und Clara Schumann begeben. Gedenkmedaillons des Vereins Sächsisches Vocalensemble, Gedenktafeln, Büsten und ein Mini-Museum erinnern dort an das Musiker-Ehepaar. Das neueste Medaillon wurde im Juni 2016 im Weesensteiner Schlosspark enthüllt.

14.7.16

Graublau, kühn geformt und kugelrund: Stahl aus Zwickau hält Dresden zusammen

Blick von der Bergstation der Dresdner Schwebebahn auf das Blaue Wunder. Bildrechte: zwickautopia.de

Zwickau ist das Z in "Elbflorenz", denn in Dresden wurde an mehreren Stellen Stahl aus Westsachsen verbaut. ZWICKAUTOPIA stellt drei Beispiele vor: einen Koloss aus Cainsdorf, eine Glaskugel mit "Achterbahn" und eine Radbrücke mit Canaletto-Blick.

9.7.16

"Arsch der Welt" trifft auf "Tor zur Welt": So viel Zwickau steckt in Hamburg

Das Atlantic-Haus (Bildmitte) ragt aus der Skyline von Hamburg-St. Pauli heraus. Sein Stahlfachwerk wurde von einer Zwickauer Firma gefertigt. Bildrechte: zwickautopia.de

Erstmals seit der Saison 1998/99 hat sich der FSV Zwickau für den DFB-Pokal qualifiziert. In der ersten Runde (19. bis 22. August) empfängt der Drittliga-Aufsteiger gleich einen Erstligisten - das Bundesliga-Gründungsmitglied Hamburger SV. ZWICKAUTOPIA hat diesen Fußball-Knüller zum Anlass angenommen, mit dem Eurocity "Robert Schumann" nach Hamburg zu fahren und sich in der zweitgrößten Stadt Deutschlands zwischen Altona und Alster auf Zwickauer Spuren zu begeben.

8.7.16

Dieses Dorf hat Zukunft: Zu Besuch im preisgekrönten Stangengrün bei Zwickau

Bildrechte: zwickautopia.de

Stangengrün, ein Ortsteil der Stadt Kirchberg im Landkreis Zwickau, hat 2015 den 9. Sächsischen Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" gewonnen. Im Bundeswettbewerb trafen nun die besten 33 Dörfer - von deutschlandweit 2 400 Teilnehmern - aufeinander. Stangengrün gehörte dabei zu den 17 Kommunen, die mit einer Silbermedaille ausgezeichnet worden sind. Gold ging an zehn und Bronze an sechs Dörfer. ZWICKAUTOPIA hat sich vergangenen Herbst in dem so genannten Waldhufendorf umgeschaut.

7.7.16

Die Schumann-Städte am Rhein: Auf Spurensuche in Düsseldorf und Bonn

Schumann-Grab in Bonn (links) und Gedenkmedaillon mit den Porträts des Ehepaars Schumann am Düsseldorfer Wohnhaus. Bildrechte: zwickautopia.de

Robert Schumanns Tod jährt sich am 29. Juli 2016 zum 160. Mal. Seine letzten Lebensjahre hat der 1810 in Zwickau geborene Komponist im heutigen Nordrhein-Westfalen verbracht. Die Ausstellung "Schumann in Endenich", die das Zwickauer Robert-Schumann-Haus vom 9. Juli bis 11. September 2016 zeigt, ist den letzten Lebensmonaten des Komponisten gewidmet, die dieser ab März 1854 in der psychiatrischen Heilanstalt in Endenich bei Bonn verbringen musste. Als die Stadt Zwickau 1924 den Schumann-Nachlass von der ältesten Tochter Marie ankaufte, kamen Erinnerungsstücke, die die Witwe Clara Schumann aus dieser schweren Zeit aufbewahrt hatte, in ihren Besitz. In der Ausstellung zu sehen sind Schumanns letzte Notenaufzeichnungen, Originalbriefe des Komponisten und von seinem Endenicher Arzt Dr. Eberhard Peters, Fotografien, die Robert Schumann als Erinnerung in Endenich bei sich hatte, und Geschenke, die er dort erhielt. Zu den Schätzen und Kostbarkeiten gehören auch zwei sogenannte Blumentagebücher, in denen Clara Schumann von Robert Schumann aus Endenich erhaltene Blumen aufbewahrte und für ihn bei Konzertreisen pflückte und sammelte. Sogar Schumanns Totenschädel ist in einem 1880 vom Bonner Anthropologie-Professor Hermann Schaaffhausen erstellten Gips-Abguss zu sehen. ZWICKAUTOPIA hat das Wohnhaus der Schumanns in Düsseldorf und ihr Grab in Bonn aufgesucht.

2.7.16

Ein Star und seine Stadt: Im Gespräch mit der Zwickauer Sängerin Regina Thoss

Szenen von den Dreharbeiten im Sommer 1988 in Zwickau: Regina Thoss im Schwanenteichpark und im Boot auf der Zwickauer Mulde in Cainsdorf. (Quelle: Privatarchiv Regina Thoss)

Regina Thoss gehört zu den großen Namen der DDR-Showbranche. Die in Zwickau geborene Sängerin und Entertainerin trat im "Kessel Buntes" und vielen anderen TV-Shows auf, repräsentierte das Land bei internationalen Musikfestivals und gastierte auf westdeutschen Kreuzfahrtschiffen. Der "Fernsehliebling" des Jahres 1975 überzeugte auch als Gastgeberin im Fernsehen ("So oder so ist die Thoss", "Das ist die Thoss") und schmückte die Titelseiten von Zeitschriften. 2016 feiert die temperamentvolle Rothaarige ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum und ihren 70. Geburtstag. Kürzlich erschien das neue Album "Danke" mit ihren bekanntesten Liedern und Cover-Versionen von einst und jetzt, überwiegend neu abgemischt.

Im Deutschen Rundfunkarchiv (DRA) findet man eine ganz besondere Archivperle: Am 3. November 1988 machte die Zwickauerin die Zuschauer des DDR-Fernsehens mit ihrer geliebten Geburtsstadt bekannt. Der 45 Minuten lange musikalische Stadtrundgang begann um 20 Uhr im 1. Programm und hieß wie ihre neue LP: "Wenn uns die Liebe berührt". ZWICKAUTOPIA hat die Sendung gesichtet (als DVD beim DRA bestellbar) und Ende 2013 mit der in Berlin lebenden Künstlerin telefonisch über ihre Erinnerungen an diese Show sowie ihre heutigen Verbindungen nach Zwickau gesprochen.

30.6.16

Südtirol, Glück auf! Eine Wanderung zum höchsten Dach von Zwickau

Vom Ausgangspunkt Pfelders dauert die Wanderung zur Zwickauer Hütte über vier Stunden. Bildrechte: zwickautopia.de

In den Ötztaler Alpen steht in 2.989 Metern Höhe die Zwickauer Hütte. Die Sektion Zwickau des Deutschen Alpenvereins hat dieses Schutzhaus für Wanderer 1899 errichtet. Das von Juli bis September bewirtschaftete, mit Betten und Matratzen ausgestattete Berghaus gehört zum Südtiroler Ort Pfelders (italienisch: Plan) im Meraner Land. Bei Wanderern ist es deshalb auch als "Planfernerhütte" und unter der italienischen Bezeichnung "Rifugio Plan" bekannt. 1933 wurde die Hütte vermutlich von Schmugglern angezündet und brannte ab. 1960 baute die Sektion Meran des Italienischen Alpenvereins (CAI) Zwickaus "Exklave" wieder auf. Eine Explosion zerstörte sie 1967 erneut. Der zweite Wiederaufbau erfolgte Anfang der 1980er Jahre. Anlässlich des 115-jährigen Jubiläums wanderte im Sommer 2014 eine Zwickauer Delegation um Oberbürgermeisterin Pia Findeiß zum quasi höchsten Dach der Stadt. Die Exkursion endete tragisch: Baubürgermeister Rainer Dietrich brach mit Atemproblemen zusammen und verstarb trotz sofortiger Hilfe. Statt der Jubiläumsfeier wurde in Pfelders ein Gedenkgottesdienst veranstaltet. ZWICKAUTOPIA wagte den Aufstieg im September 2014 - die bislang abenteuerlichste Spurensuche in der Geschichte dieses Blogs!

28.6.16

Als Shopping noch „zum Schocken“ hieß: Was wurde aus den Filialen des Zwickauer Kaufhaus-Konzerns in Nürnberg, Stuttgart, Chemnitz und am Firmensitz?

Die ehemaligen Schocken-Kaufhäuser in Chemnitz (links oben), Zwickau (oben, ganz rechts), Stuttgart (links unten) und Nürnberg (rechts unten). Bildrechte: zwickautopia.de

1907 gründeten Salman (1877-1959) und Simon Schocken (1874-1929) im Gebäude Hauptmarkt 26 ("Goldener Anker") die Firma "I. Schocken Söhne Zwickau" (I.S.S.). Das I im Namen war eine Geste, mit der die Brüder ihren Vater Immanuel ehrten. Das jüdische Unternehmen galt vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten mit rund 6.000 Mitarbeitern als größte Warenhauskette Sachsens und eine der fünf größten in Deutschland. Schocken setzte im Handel neue Maßstäbe und schuf das, was man heute "Corporate Identity" nennt: Die Marke - erkennbar am kantigen S - stand für Kundenservice, Qualitätskontrolle, erschwingliche und stabile Preise, gut ausgebildete Verkäufer, professionelle Werbung und strenge Zentralisierung.

Die Zwickauer Zentrale organisierte Einkauf, Verkauf, Reklame und Personalleitung. Ein eigenes Baubüro plante Neubauten. "Zum Schocken" ging man in sächsischen Städten, Nürnberg, Stuttgart, Augsburg, Regensburg, Pforzheim, Bremerhaven, Cottbus, Zerbst und Waldenburg in Schlesien. Die Nazis boykottierten die Filialen und diffamierten sie als "Ramschbuden". Die Schocken AG wurde arisiert und in Merkur AG umbenannt. 1953 verkaufte Salman Schocken den zurückerlangten Besitz an "Merkur, Horten & Co." mit Sitz in Nürnberg. In Sachsen wurden die Merkur-Filialen enteignet und dem Verband Sächsischer Konsumgenossenschaften angeschlossen. 2014 entschied das Berliner Verwaltungsgericht, dass die Bundesrepublik Deutschland die Erben mit etwa 50 Millionen Euro inklusive Zinsen entschädigen muss. Schon in den 1990er Jahren waren etwa 30 Millionen DM an Entschädigung bei der Privatisierung des Kaufhauses in Chemnitz gezahlt worden.

In der Bevölkerung von Nürnberg, Stuttgart, Chemnitz und Zwickau lebt der Name Schocken bis heute fort. ZWICKAUTOPIA hat sich vor Ort umgeschaut, was aus den Kaufhäusern geworden ist.

27.6.16

Gurlitts Geist, Glücksfall Pechstein: Auf den Spuren der Zwickauer Expressionisten

Brücke-Weg in Moritzburg: Fritz Bleyl - Kreide- und Bleistiftzeichnung "Schloss Moritzburg" (1901). Bildrechte: zwickautopia.de

New York? Berlin? ‪Zwickau‬! 3.000 Besucher sahen 2015 die Ausstellung "Perlmutt" des international renommierten Künstlerehepaars Rosa Loy (gebürtige Zwickauerin) und Neo Rauch. "Warum ausgerechnet in Zwickau?", fragte die FAZ. Rauch und Loy seien im Grunde "zu berühmt für Zwickau (...), die kleine Stadt in Sachsen, die gerade eine Haushaltssperre verhängen musste, weil der VW-Konzern zu den Hauptarbeitgebern zählt und die Zukunft wieder unsicher geworden ist." Reaktionen wie diese bewiesen, dass dem Verein Freunde Aktueller Kunst ein Coup gelungen war. Auch 2016 setzt Zwickau, das gewöhnlich als Automobil- und Robert-Schumann-Stadt wahrgenommen wird, ein Ausrufezeichen in der Kunstszene. Vom 9. Juli bis 3. Oktober zeigt das in den Kunstsammlungen Zwickau integrierte Max-Pechstein-Museum die Ausstellung "Der Traum vom Paradies. Max und Lotte Pechsteins Reise in die Südsee". Auf Grundlage der Reisetagebücher will das Museum die beschwerliche, vom Kriegsausbruch überschattete Reise zu den Palau-Inseln im Jahr 1914 erstmals systematisch rekonstruieren.

Sowohl Max Pechstein (1881-1955) als auch Fritz Bleyl (1880-1966), ein weiterer gebürtiger Zwickauer, gehörten der Künstlergruppe "Die Brücke" an. Sie gilt als Wegbereiter des deutschen Expressionismus. ZWICKAUTOPIA hat sich in Moritzburg bei Dresden und in Berlin auf die Spuren der beiden bedeutenden Maler begeben.